CO129-166 - Public Offices & Others - 1873 — Page 611

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es ihnen und er that es mit einer gewiffeu Befriedigung „abtreiben“, ein udbrud, den der technische Name dieser Auffeher: „Drivers nur zu sehr rechtfertigt. Die Kuliö selbst Renut der in Gentilität erzogene und allen Parlaments. mitgliedern freundschaftlichst verbundene Herr daheim „Minors“ und liefert die Kagenden Berichte seiner Berwalter als Beweis. material den Legislatoren aus, um etwas in Gang zu bringen, Hier ist so ein Bericht aus Jamaika, den der letzte Havarez Reporter veröffentlicht:

„Bon fünfzig im Jahre 1871 importirten Kulis, die zusammen für dieselbe Plantage bezogen wurden, befinden sich jeyt zehn im Gefängniß, zehn find tødt, einer ist wegen Todischlags auf vier Sahre in's Zuchthaus gesperrt worden, dreizehn sind frank, faul, lahut, aufgerieben, werden aber auf Koften des Besizers mit Kütenfuppe, Malz und Brandy gefüttert, sechszehn nur verrichten täglich für einen Shilling einige Stunden Arbeit."

„Herr", sagt unser Bestger, „wir müssen dic Legislative darüber her lassen. Das ist schandbar. Die Kulthändler betrügen uns, schicken uns nichtsnusiges Gestadel. Die chinesische Regierung muß uns gute Beute zur Disposition stellen," u. f. w., wie wir oben angedeutet.

Betrachtet man bagegen dieses traurige, kleine Stüd Sta- tistik von dem sehr viel näher liegenden, mindestens ebenso berechtigten Gesichtspunkte der systematischen Ausnugung, so drängen sich uns ganz andere Schlüsse auf, zumal da wir aus eben denselben Gegenden und mit der hochansehnlichen Beglau- bigung eines Kolonial-Oberrichters erfahren, daß der cutschieden nicht faule Kuli nicht „einige Stunden" arbeitet, fondern oft Tag und Nacht und Höchstens „einige Stunden" ruht, daß er, empfindsam bis zum Grzej, jeder Mißhandlung ausgefeht ist, mit renen der „Driver," ein verkommenes Subjekt, ißu zu quälen. gelaunt ist, daß sein Weiß, wenn er eins mitbrachte, dessen Fü hen als Objekt dienen muß, und daß Gefängniß, Mortalitât und Morbilität, welche 34 von 50 Meuschen dahingerafft haben, innerhalb zweier Sahte, nur die nothwendigen Etügen und Konsequenzen des grausamen Systems And, welches durch Berschärfung der Geseze gegen den nicht an die Sklaverei gewöhnten Kuli, den man zu jeder beliebigen Zeit einsperren fann und zwingen will, diese Zeit nach Ablauf seines Kontrakts ohne Lohn nachzuholen, erst seine rechte Würze erlangen würde, die felbft durch die strengsten Gefeße auch gegen den Kultbefißer nicht ihre Gangart verlieren könnte.

Denn der Chinese ist nicht zum Sklaven geboren, sondern erlangt seine wirthschaftliche Bedeutung nur im Sinne unfrer eignen freiheitlichen Kultur. Er ist berufen, Kolonist, freier Auswandrer, Arbeiter and Unternehmer zu jein, und hat als folcher hunderttaufenòmal mehr Bedeutung für die Hetung der tropischen Welt und ihrer Schäße, denn als Sklave, dessen Schweiß wir selber mit Wucher zu bezahlen haben. Der Kuli- fflare wird auf uns nicht befreiend wirken, feine Arbeit ist ein Fluch für die Menschheit, der freie Chinese als Kolvuift und Produzent dagegen das allein würdige Werkzeug unfrer eignen Intereffen. Und dies ist eine Erfeuntniß, die sich, Gott sei Dauf, bereits sogar in den Regierungskreisen eines so unentfalteten Landes, wie Braftlten, Bahn bricht, eine Erkenntniß, die Holland seiner glücklichen Kelonialwirthschaft zu Grunde gelegt hat und in Folge deren es alle audern Nationen durch die Blüthe seiner oftakatischen Dependenzen übertraf, eine Gxkenntniß, die aber durch das le verworrene Vorgehn Englands, das uns sogar an der Aufrichtigkeit seiner früheren Sklavenpolitik zweifeln wacht, nur verdunkelt werden kann.

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Die Chinesen ebensowohl wie die Japanesen haben bewiesen, varf dies doch in keinem Fall in einer Weise geschehen, daß die daß sie im gewissen Sinne kulturbringend zu wirken vermögen,onftrielle Massenproduktion sich in der Form des unverblüm. Ihre Attribute sind Fleiß, Cooperation und Handelstrieb, Ord. teffen Massenmordes organiftre. Und wenn es auch auf der nung und Sitte, weun verschieden von der aufern, um jo mehr and liegt, daß unsre enropäischen Regierungen ihren fernen geeignet der unfern die Hand zu reichen. Sie ziehen hinaus Kolonien gegenüber nicht jere stritte Neberwachung eintreten über ihre Grenzen als vorurtheilsfreie Menschen und gründen lassen können, wie bei sich zu Hause, und daß sie sich hûten müffen, Kolenien überall da, wo die eingeborene Bevölkerung oder der rie Bügel des Regiments straffer anzuziehn als dies bei der emancipirte Neger in Stumpffinu verharren over in Trägheit großen Gefahr ihres Reifens politisch ist, so darf dennoch die zurückstufen, und heben die Schäße des Landes als belebendeeicens nicht bis zur Verläugnung aller humanen Gefühle aus. Potenzen, die uns Europäern hauptsächlich zu Gute fommen.

So ist namentlich die Susel Borneo durch Chinesen, troy des Widerstauds, den die ciugeborenen Wilden Dohacs, die Herrsch- füchtigen Malayen und Araber ausübten, eine wahre Industrie- stätte geworden. Die Zahl der bort angestedelten Chinesen beläuft sich auf ca. 40,000. Echon im 16. Sahrhundert be gann die Einwanderung zum 3wed rein acerbautreibender Ansiedlungen, bis um's Sahr 1750 ber Sultan oder Radscha ron Mampawa eine große Anzahl Chincfen iu's Land zog, um die neu eniteten Goldgruben ausbeuten zu lassen, aufangs unter fflavischen Vertragsformen, dann gegen eine bestimmte Abgabe. Aber der Trieb zur Selbstständigkeit duldete die Chi- nesen nicht lange unter diesen Fesseln; se benutten die Streitig, keiten der Malavischen Sultane unter einander, um sich als eigne Herren auf einem Grund und Boden aufzuthun. Sc bilden fte benn eine Anzahl kleiner Republiken, die durch ihren Bestand deutlich dokumentiren, daß diese Söhne des himmlischen Reichs auch außerhalb ihrer mit Mandarinen gesegneten Gefilde fich zu fassen und zu holien wissen. Ringeum in ganz Polynesten, auf Malatka, in Amherst, Paroy, Martaban, Mkhab, Maulmân, Bassein, Nanguhn, in Birma am Srawardy, in Anem, Siam →→→ we in Bangkof 200,000 Chinesen leben, auf Gelebes, Sumatra, Timor, sogar in Neu-Holland finden wir dieses Volk als die Hauptstüße der Industrie nud des Handels durch eignen Fleiß, Unternehmungsgeift und Scharfsinn sich gegen alle Unterdrückung und Verfolgung muthvoll erheben. Ohne sle wäre selbst Europa nicht was es ist, denn shue Re würden wir vieler Schäķe ent- behren, die uns jest aus dem Duell chinesischer Betricbjamkeit in diesen tropischen Ländern billigst zuflichen, da weber die Win- geborenen noch die Europäer in jeten Zonen Lust und Kraft haben, augestrengter Thätigkeit sich zu unterzíchu.

Roch viel selbständiger und mit einer ehrenvollen Eifersucht auf ihre nationale Würde sehen wir die reinlichen Japancsen, die Engländer des Orients, die Chinejen der gemäßigten Zone, die Rich etwa von jenen unterscheiden, wie die Teutonen von den Romanen, sich hie und da ansiedeln, so auf Honolulu, wo ihre Seidenzucht und ihr Iheeban schon nach zwei Jahren die ganze früher in holder Faulheit bahinlebende Snsel mit den Pro- duften des Fleißes bedecken und den Verkehr dorthin zu einem regelmäßigen machen. Ebenso finden wir die Japanesen auf den übrigen Sandwichs Inseln, auf Hawaii, wo sie von den Englän- bern unter speziellem Kontrakt mit der Stegierung angestedelt oder beschäftigt werden, mit Ausschluß jeder legalistzten Willkühr, wie dieselbe von eben denselben Engländern auf Jamaika, in Neu-Guiana, auf St. Domingo und anderwärts geübt wird, in weit unwürdigerer Weise als sie selbst die stumme Kreatur das Zug, und Schlachtvich nicht zu erdulden hat.

Wenn wir auch genöthigt And, zuzugeben, daß in den tro- pischen Ländern aub auf den entlegenen Plantagen sich gebieterisch Produktions - Verhältniffe geltend machen, denen manche Rück- fichten, deren Beobachtung wir in Europa und unter und Euro- päern einzuführen bestrebt sind, zum Opfer fallen müssen, fo

arten. Dies um so weniger, als die Chinesische Regierung selbst ein wenig langsam ist, für das Wohl der Shrigen zu sorgen, und um so weniger feruer, als das Menschenmaterial, um das e sich handelt, nicht nur kulturfräftiger ist als der Neger 3. D., sondern auch als betriebsames Agens bei freier Entfaltung weit werthvollere Resultate liefern wird, denn im Zustande sophistisch verhüter und um so grausamer gefühlter Slaverei.

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Wie sich dies auf Sava zeigt und den Holländern bald nicht allein bas materielle Uebergewicht, sondern auch die moralische | Suprematic verleiht so sehr, daß die Chinesen sogar in den Reihen der Holländer als Kampfgenossen gegen Atchin auftreten so wird es sich nicht minder auch in Südamerika bewahrheiten. Dieser Kontinent ist in seinen tropischen Theilen, ungemessene Fruchtfluren, Bergwerke und Stromgebicte umfassend, gar nicht ohne Hülfe der mongolischen Nasse für unë Europäer za erobern. Die ganze Niederung des Amazonenstroms harrt diefer rührigen Menschen, ebenso wie die gemäßigteren Theile Südamerika's auf europäische Piontere womöglich aus Deutschland. Denn mit den Nomanen ist es da unten nichts, versumpfter als die Peruaner kann z. B. außer den Portugiesen tein Volk genannt werden. Es ist als ob die ganze aus Europa ausgefegte Verbrecherwelt dort ihren langen Sabbath feierte, und jobald als an diesen Orten die Reichthümer, die sich ohne Wirthschaftlichkeit abfchöpfen laffen, verihan sein werden, dürfte all diesen qualligen Republiken der Untergang im Indianerthum berorstehn, wie sich das in Brasilien durch die völlige Entar- tung der indogermanischen Race zum Theil schon ankündigt. Dann werden Deutsche im Bunde mit Japanesen und Chinesen hier Hand and Werk legen müssen, um die völlige Stagnation zu verhindern, dies wenigstens wird uns rom General - Konful Sturz, der vielleicht der beste Kenner und Beobachter dieser Regionen während eines ganzen Menschenalters gewesen ist, als die bestmöglichste Zukunft Südamerika's gefchildert.

3.

Es liegt und Deutschen auch deshalb außerdem ganz befou. berd nahe, diese Regionen im Auge zu behalten, weil, wie atan weiß, es den deutschen Landslenten dort unten ungefähr ebenso gegangen ist und leider noch geht, wie den Chinesen. Wie man die Chinesschen Kulis nach Peru, Panama, Costa Rica n. I. w. verschleppt und Fliegen gleich im Spinnennet ausfangt, daß nichtë als die Knochen übrig bleiben, die man eventuell schlen. nigst begräbt, damit der Unrath nicht gen Himmel stinke, jo geschah es Tausenden von Deutschen in Brasilien. Noch int lehten Sahr stud neben einigen hundert Engländern auch 1700 Deutsche von einem Hamburger Haufe dorthin verladen worden; nach Bahla auf die Kolonien Monis und St. Calvo- dor 860, die übrigen nach Commadatova, Cananga 20.; die Exporteure erhielten von der Braflianischen Regierung pro Kopf 65 Thir Prämie. Wie den Chinesen, so machte man auch den Deutschen bereitwilligft Vorschüffe, die fle als sich stets mit Zins auf Zins mehrende Schuld als ewige sich auf Kind und Kindes- find forterbende Laft leichtsinnig genug auf sich nahmen. Bon Kind und Kindeskindern kann freilich kaum die Rede sein, denn

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schen unterwegs sterben die Kinder, wie wir hören, ohne Ausnahme. Und von den vielen Laufenden im Laufe der Jahre nach Bra filten Verschleppten tehrte aus der Parceria. Sklaverei noch tein Sterblicher zurück, ohne daß er sich selber für eine Aus. nahme erklärte. Es geht unsern Landsleuten also dort gerade wie ten Chinesen, trobem diese segar ta den heißeren und die Deutschen wenigstens in der gemäßigteren Regionen des Landes ein ihnen sehr gut zusagendes Klima fuden.

Die Lösung bietet sich in beiden Fällen auf die nämliche Weise und kommt auf das eklatantefte dadurch zum Vorschein, daß die oben erwähnten Engländer auf fofortige energische Zuter- pellation der englischen Regierung ohne Zögerung wieder in ihre Heimath zurückgebracht werden mußten, und zwar auf Kosten -Run, der Brasilianischen Regierung, während die Deutschen man darf bei dieser schroffen Zusammenstellung deren Schicksal gar nicht weiter ausmalen!!

Wir haben uns durchweg enthalten, die Greuel zu befailli- ren, die z. B. den Kulis auf der Neise und auf dem Markt, auf den Plantagen und in den Hospitälern begegnen. Der Aus- spruch des englischen Richters Smale, der Meuterei auf hoher See sonst bas größte Verbrechen, was der Engländer kenut --- von Seiten der Kulis rechtfertigt und solche Meuterer ftraflos enfläkt, ist genügend! Kulihandel ist Piraterei! Die Beispiele des „Fatchoy," der „Maria Fuk,“ des „Karl" find typisch. Das Geschäft muß 100 Prozent abwerfen, unter den thun es die Herren Rheder nicht. Sie erhalten ihre lebendige Fracht erst am Bestimmungsort bezahlt, 300-400 Dollars pro Kopf und Kon- traft. Das Angebot ist Dank der gefchickten Agenten in Macao und andern Orten steis vorhanden, und an Waare fehlt es Dank der ungestraft ausgeübten Menschenraubs niemals. Die Bara- coons find stets voll harrender Chinesen, die Spielhäuser stets offen, die Armuth stets wirksam, die Warnung und Aufklärung dagegen von Seiten Wohlmeinender so gut wie impraktikavel. Barum soll also der Schiffer nur 400 Menschen laden, selbft wean jein Raum auch bei dieser Zahl faum ausreicht? Steber stopft er 800 dieser ja so wie so verlorenen Beute in einen Raum, Läht unterwegs 200 sterben und macht troh alledem ein Geschäft, das sich um ca. 80,000 Dollars höher stelt, als hätte er nur 400 geladen und darauf kommt's ja lediglich an, jene 200 | Leichen And für die Fische!

Daß sich diese selbe Anschauung auch der Pflanzer bemäch. tigt, haben wir schon früher angedeutet.

Wie nafanig diese gauze Verfahrungsweise ist, läßt sich gar nicht so schreff hinstellen, als he es verdient. Man vermag es Rich nicht zu erflären, wenn z. B. auf Cuba die höchften Löhne an spanische Bummler bezahlt werden, während man die Heißigen Chinesen systematisch um Saft, Liche und Kraft bringt und te troß der größten Ergebenheit in ihr Gefchick zum massenhaften Selbstmorde treibt. Wie groß der Arbeitermangel, ist leicht zu ermessen. So erhält auf Guba, wie der General fonjul Dunlop mitthellt, ein niedriger Commis 650 Pf. St. øder ca. 4000 Thlr. jährlich, gegen 700 Thlr. in Hamburg, ein Neger ale Kutscher erhält 35-40 Doll. den Monat, nebst Wohnung, | Beföstigung, Wein, auf 800 Thlr. das Jahr zu rechnen, und in

gleichem Maße Bediente, Handwerker, Nätherinnen zc.

Würde man nun, austatt den ärgsten Wißbrauch, der sich burch die Berbrechen zn Macao so plump verlockend darbietet, ohne Nachgedanken und ohne Gefühl zu nehmen, wie er eben ift, die fast umsonst erhaltenen Chinesen, anstellige, geschickte Leute menschlich halten, für sich gewinnen, und mit Weib und Kind bei sich auftedeln, so würde der Noth bald abgeholfen sein

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